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Technik-Tipps fürs Homeoffice

Mir fiel auf, dass ich Video-Konferenzen nicht immer erfreut beendet habe. Zu groß war manchmal das Erstaunen über die schlechte Bildqualität oder ebensolche Verbindungen. Denn es macht einen Unterschied, ob man in ein grieseliges, verrauschtes Bild schaut oder jemanden beim Gespräch in die Augen blicken kann. 

Um der Sache mit dem verrauschten Bild auf den Grund zu gehen, habe ich einiges rund um die Technik ausprobiert. 

Zur Verfügung standen drei Kameras 

  • die OnBoard Kamera
  • eine günstige externe Webcam
  • ein iPhone, welches mittels einer App zur Webcam umgemodelt wird

Weiterhin habe ich mit Licht experimentiert

  • Beleuchtung am Schreibtisch und an der Zimmerdecke an- oder ausschalten
  • Tageslicht vom Fenster nutzen (Jalousie oben oder geschlossen)

Diese Parameter habe ich miteinander kombiniert. Um die Verbesserungen beurteilen zu können, habe ich einen Videoanruf auf einen anderen PC geschaltet und von dem zweiten PC Screenshots aufgenommen. Denn ich gehe davon aus, dass das Bild, welches an den Gesprächsteilnehmer übermittelt wird, ein anderes ist, als ich selbst sehe. Neben der Kamera habe ich noch einige Hintergrundeffekte und einen Greenscreen ausprobiert. Ebenso habe ich die Wirkung verschiedener Kamerapositionen und die Körperhaltung überprüft. Bei allen Tests wurde die Software MS Teams eingesetzt. Hier nun meine Erfahrungen.

Das Licht


Starkes Bildrauschen (OnBoard Kamera; kein Licht, Jalousie geschlossen)

Das Bild ist sehr verrauscht. Woran liegt es? Daran, dass die Kamera versucht, aus der Dunkelheit Licht zu holen. Das kostet Rechnerleistung und führt zu extremen Qualitätsverlusten. Denn wo nichts ist, kann auch nichts leuchten.

Ich ändere das Setup mehrfach. Schalte die Schreibtischlampe und eine weitere Lampe an, die den Schreibtisch und mich beleuchten – schalte die Beleuchtung wieder aus und öffne die Jalousie. Doch das Tageslicht wirft ungünstige Schatten auf mein Gesicht. Also mache ich die Schreibtischlampe wieder an, und so langsam wird’s.


Deutlich besser (OnBoardkamera, Schreibtischlicht an, Jalousie oben)

Kamera und Schärfe

In manchen Gesprächen kommt der Wow-Effekt – besonders dann, wenn mehrere Teilnehmer an einer Videokonferenz teilnehmen. Einige stechen optisch irgendwie hervor, und der Fokus richtet sich sofort auf diese Menschen. Die grieseligen Graugestalten werden dagegen weniger beachtet. Es zeigt sich: Neben dem Licht ist die Schärfe ein entscheidender Faktor. Die Schärfe lässt sich zum Beispiel an den Pupillen festmachen. Sind diese zu erkennen, ist das Bild scharf. Meine Erkenntnis: Die OnBoard Kamera ist ausgereizt. Es muss eine vernünftige Kamera her. Doch welche? 

Für Videoübertragung reicht eine handelsübliche Web-Cam. Nicht die billigste, aber das 200 €-Modell muss es auch nicht sein. Also habe ich die einschlägigen Bestenlisten studiert und am Ende doch auf Bewertungen von 12.000 Menschen gehört, die eine AUKEY-Kamera nutzen. Hält diese Kamera, was sie verspricht? Hier der Vergleich.



OnBoard Kamera und AUKEY im direkten Vergleich (Licht an, Jalousie oben)

Das ist mal ein Wort. Knapp 50 €, gut investiert. Wer sich überlegt, eine Web-Cam zuzulegen, sollte jedoch noch einen Schritt weitergehen und eine mit Zoom-Funktion wählen. Die oben erwähnte AUKEY hat diese nicht, was sich im Nachhinein hier als sehr unkomfortabel herausstellt. Gerade, wenn man einen Greenscreen nutzen möchte, ist die Zoom-Funktion essenziell.

Das Smartphone als WLAN-Webcam

Man kann auch das iPhone oder Samsung-Smartphone als Web-Cam verwenden. Beim iPhone wird zum Beispiel die EpocCam App für 8 € benötigt, bei Galaxy die DroidCamX für 4 €. Nachteil ist, dass zusätzlich Software auf dem PC installiert werden muss. Für die Installation sind unter Umständen Admin-Rechte erforderlich sind, die nicht jeder hat. Wie auch immer: Das Ergebnis ist ein fantastisches Bild im Vergleich zur On-Board-Kamera.


iPhone als WLAN-Webcam, Licht an, Jalousie oben

Die Position der Kamera

Das Bild wird noch von zwei weiteren wesentlichen Faktoren beeinflusst: der Kameraposition in Bezug auf den Menschen und dem Raum an sich. Diese Kamerapositionen sind ungünstig:


„Schweinsnase“ bei OnBoard Kamera, Licht von oben blendet


Profilansicht, hier besonders ungünstig, da starkes Gegenlicht

Wie oben erwähnt, ist Augenkontakt wichtig. Die Frontalansicht ist in üblichen Gesprächssituationen die Position der Wahl. Doch wo genau ist die beste Kameraposition? Oben in der Mitte des Bildschirms. Denn da guckt man hin, wenn man mit den Kollegen redet oder einer Präsentation folgt. Und welcher Bildausschnitt ist gut? Meine Erfahrung: lieber zu weit weg als zu nah.

Die Körperhaltung

Auch die Sitzposition spielt in Videokonferenzen eine Rolle. Wie wirkt es, wenn ich aufrecht sitze oder mich in den Stuhl lümmele? Man sollte sich der Wirkung seiner Körperhaltung genau bewusst sein. Wenn es respektlos wird, ist die Grenze des Tolerierbaren überschritten.


seriöse Sitzposition /oft gewünschte Sitzposition /  gelangweilte Position

Der Raum

Wenn ich weit von der Kamera entfernt sitze, sieht man viel von meinem Raum. Ich persönlich habe kein Problem damit, dass mein Hintergrund wie ein Wimmelbuch aussieht. Mögen sich die Leute das gerne angucken. Unpassende Dinge habe ich natürlich aussortiert. 

Der private Hintergrund ist aber nicht jedermanns Sache. Doch auch dafür gibt es Lösungen. Ein Aufsteller mit einem Beckmann-Kalender wirkt sicherlich professionell. Ebenso bietet sich die Möglichkeit, den Hintergrund softwareseitig zu überblenden. Wer ernst genommen werden will, sollte dabei auf lustige Hintergründe verzichten und den Hintergrund lieber per Blur-Effekt verpixeln. Die softwareseitige Einstellung birgt allerdings das Risiko, dass versehentlich ein falscher Hintergrund gewählt wird. YouTube ist voller Filme von privaten Situationen, die besser privat geblieben wären.


lustiger Hintergrund verpixelter Hintergrund, blur effect

Fazit #1

Es muss nicht alles perfekt sein. Aber Licht, Kamera, Kameraposition und Hintergrund hat man leicht in der Hand wertet damit die eigene Außenwirkung erheblich auf. 

Sicher spielt auch das Budget eine Rolle. Wenn ich 50 € zur Verfügung habe, investiere ich in eine Kamera, nicht in Licht. Wenn 100 € zur Verfügung stehen, investiere ich in Kamera und Licht für je 50 €. Und wenn ein Hintergrund gewählt wird, dann sollte es ein schlauer sein. 

Hier noch einmal alle Testbilder im Überblick.


Von oben nach unten: OnBoardkamera, AUKEY, iPhone. 

Von rechts nach links: kein Licht und Jalousie unten, Licht an und Jalousie unten, kein Licht und Jalousie oben, Licht an und Jalousie oben

Das Extra: der Greenscreen

Vorweg: Ein Greenscreen ist etwas für diejenigen, die Spaß an dem Thema haben, über Platz verfügen und kreativ sind. Oder für diejenigen, die besonders professionell wirken möchten, zum Beispiel bei Online-Schulungen oder Online-Kundenpräsentationen. Ich experimentiere gerade damit. Die Ergebnisse sind vielversprechend. 

Der Aufbau

So sieht es wirklich bei mir aus. Und ihr erkennt auch, was ich mit Platz meine: Der Greenscreen ist raumfüllend. Entsprechenden Stoff gibt es in jeglichen Größen für kleines Geld. Bei mir hat ein Garderobenständer mit Dachlatten als Aufhängung ausgereicht. Die Dachlatten habe ich mit Kabelbindern am Ständer befestigt. Oben ist der grüne Stoff an der Dachlatte befestigt, unten habe ich etwas Gewicht angehängt, damit er gut fällt – fertig. Andere Konstruktionen sind natürlich denkbar. 


Großer Chroma Key Stoff, raumfüllend

Zudem gibt es professionelle Lösungen, zum Beispiel eine Leinwand mit Stativ. Jedoch ist die Größe des Greenscreens wesentlich. Je größer, desto mehr Möglichkeiten bietet er. Es gibt Leinwände für unter 100 €, doch die sind sehr klein. Größere Modelle gehen ins Geld, dafür sind sie schneller auf- und wieder abgebaut. Spielerei ist für mich ein Chroma-Screen, der am Stuhl befestigt wird. Da darf man sich vermutlich nicht bewegen.


Alternativen zum Stoff, preislich im Rahmen (49 € und 149 €)

Beide hier abgebildeten Produkte benötigen eine Web-Cam mit Zoom-Funktion. Ansonsten wird der grüne Bereich den Hintergrund nicht vollständig abdecken. Und auch auf gutes Licht sollte wieder Wert gelegt werden. 

Um nun ein tolles Bild in den Hintergrund zu zaubern, und dieses in MS Teams verfügbar zu machen, werden zwei Produkte benötigt: 

Bei beiden Produkten handelt es sich um Freeware, open source und sowohl für Windows als auch für Mac verfügbar. OBS Studio ermöglicht es, unendlich viele Effekte zu zaubern, verschiedene Szenen zu erstellen und vieles mehr. Man kann sich darin verlieren. 

OBS VirtualCam erstellt eine virtuelle Kamera, die dann in Teams verwendet werden kann.


Der Erfolg


Der Projektleiter verkündet den Status: gebetsmühlenartig, subversiv, großartig

Den Hintergrund finde ich gut. Die Anlehnung an eine bekannte Nachrichtensendung ist nicht zufällig. Natürlich gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten: Zu erkennen ist, wo der Kameraausschnitt endet – links unten am Bild. Wenn das Licht nicht passt, ist an dieser Stelle ein Übergang zu erkennen. Hier passt es. An meinem rechten Arm (also links im Bild), sind graue Stellen. Diese resultieren aus ungünstigem Licht. 

OBS bietet nun die Möglichkeit, sehr schnell zwischen den Szenen hin und her zu wechseln. Auch mehrere Kameras gleichzeitig sind möglich. Nur der Kreativität sind Grenzen gesetzt.


Etwas anderes kann der Greenscreen auch noch viel besser als die Effekte von MS Teams: er ist 3-dimensional. Ihr kennt das: bei Teams verschwinden Körperteile, wenn man nicht genau den Abstand zur Kamera einhält. Das ist beim Greenscreen nicht der Fall.


Abbildung 33: Bewegungen im Raum sind möglich

Fazit #2

Ja, es ist möglich, für wenig Geld mit vertretbarem Aufwand und für wenig Geld ein großartiges Studio zu Hause einzurichten. Die YouTuber machen das vor, ihr könnt das auch. Für mich ist klar: das ist die Zukunft, das ist professionell. Kundengespräche, Schulungen, Präsentationen – es gibt viele Möglichkeiten, um zu glänzen. Natürlich gibt es gravierende Dinge zu beachten. Nicht jeder hat die räumlichen Möglichkeiten oder die Lust, sich damit zu beschäftigen. Ebenso muss Software auf dem Rechner installiert werden, was bei Kundenrechnern nicht immer möglich ist. Aber der positive Effekt ist auf jeden Fall da.