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Die Standardisierung in der Finanzwirtschaft

Ein Bericht zum Warum, Wann und Wie der Standardisierung in der Branche mit Würdigung des Erreichten, zu einigen Rollen und Key-Playern sowie eine aktuelle Momentaufnahme.

Datum | 12.12.2018

Die Finanzwirtschaft hat die Vorteile der Digitalisierung früh erkannt und seither umfänglich zu nutzen gewusst. Der Charakter des Immateriellen der von ihr vertriebenen Produkte macht das einfach, denn für ihren Transport genügt ein Netzwerkkabel und für die Lagerung eine Datenbank. 

Für die digitalen Wertschöpfungsketten sind zu diesem Zweck konsensfähige Objektkategorien zwischen den Interakteuren zu definieren. Zur fachlichen Einordnung sind sodann eindeutige maschinenlesbare Wertemengen bzw. Schlüssel bis auf Feldebene zu formen und zu vereinbaren.

Wenn wir in dieser kurzen Übersicht den Begriff Standard verwenden, beziehen wir uns explizit auf supranationale Standards mit dem Wirkungskreis der EU im Minimum. Insofern grenzen wir uns von institutsinternen oder nationalen Vereinheitlichungen von heute oder in der Vergangenheit ab. Nicht ohne den Hinweis, dass gerade zwischen supranationalen Standards auf der einen und nationalen Konventionen mit ihren Abbildungen in historisch gewachsenem bankinternen Systemlandschaften auf der anderen Seite Übersetzungsaufwände entstehen.


Die treibenden Kräfte 

Die Vereinheitlichung auf internationaler Ebene wird notwendig, sobald der weltweite Austausch und Speicherung von elektronisch dekodierten Informationen das Maß der Dinge wird.

Die Digitalisierung erlaubt Geschäftsprozesse in der Geschwindigkeit der eingesetzten Trägermedien durchzuführen, sie erlaubt eine sichere Verarbeitung auch sehr großer Datenmengen, garantiert die Reduzierung von Fehlerfällen sowie Transparenz und Nachweisbarkeit. Sie trägt also maßgeblich zur Reduzierung von Kosten- und Zeitaufwand bei. Neuerlich gewinnt die analytische Betrachtung der Daten massiv an Gewicht. Vereinheitlichung bedeutet Harmonisierung: Das Mittel, um zwischen Gravitation und Fliehkraft einen Horizont zur Orientierung auszubilden und die Komplexität in Grenzen zu halten. 

Der Digitalisierung und Standardisierung bedient sich auch das Meldewesen. Die Regulatoren berufen sich bei ihren Entwürfen auf etablierte internationale Standards oder übernehmen mittlerweile sogar selbst die Initiative und geben den Anstoß zur Schaffung neuer und erweiterter Standards. 

Somit sind die stärksten Treiber zur Standardisierung die internationale Vereinheitlichung der elektronischen Kommunikation in und zwischen Geschäftsprozessen als auch die regulatorisch motivierte und vorgeschriebene Nutzung digitaler Kommunikation. Ein dritter Beteiligter bildet sich in den letzten Jahrzehnten durch den steigenden Automatisierungsgrad heraus: Der Kunde selbst ist heute in der Lage, über genormte technische Schnittstellen ganz unmittelbar und voll integrierter Akteur der Geschäftsprozesse zu werden. Hier finden derzeit die weitreichendsten Innovationen und Vereinheitlichungsprozesse statt.

Die Wahrnehmung der Kundeninteressen und ihren Schutz nimmt die Gesetzgebung auf europäischer Ebene durch Schaffung von Standards für sich in Anspruch und begleitet diese Entwicklungen. Die Gesetzgebung selbst bildet im Zuge dessen einen komplexen Nutzenstandard unter Zuhilfenahme des dafür geschaffenen technischen Rahmens. Beispielgebend sei die Initiative zum „Instant Payment“ aufgeführt.

Standardisierungsprozess

Die erfolgreiche Bildung und Fortschreibung von Standards folgt einem Prozessrahmen, der Kompromiss und Veränderung erlaubt. Die Verfolgung zu ambitionierter Ziele und die Vernachlässigung entscheidender Interessenlagen oder Beteiligter führen dabei gleichermaßen zum Scheitern.

Für diese Formen des Scheiterns gibt es gute Beispiele. Die Schaffung eines ziemlich komplexen internationalen Mailing Standards X.400 Anfang der 1980er Jahre unter der Ägide der staatlichen Telekommunikationsriesen, also der CCITT/ITU, hatte gegen das simple, leistungsfähige und schon etablierte SMTP Verfahren der Internetprotokollfamilie nie eine Chance. 

Ein Beispiel für ein gelungenes Bottom-Up getriebenes Unterfangen, das bis zum weltweiten de facto Standard führte, ist an der Geschichte des FIX Protokolls abzulesen. Es wird im Wertpapierhandel eingesetzt. 

Was als lockere technische Übung weniger Beteiligter begann, wuchs ab der Jahrtausendwende rasant zum Werkzeug des elektronischen Handels schlechthin. Die mittlerweile große Community stellt die Normierungsunterlagen weiterhin kostenfrei zur Verfügung und der Prozess der Veränderung und Anpassung des Standards wird diversen Komitees übertragen. An diese Komitees sind Änderungsanträge zu stellen und hier wird über sie und die technische Umsetzung entschieden.

So oder ähnlich ist das Vorgehen auch in Normierungsgremien und -organisationen, die einen anderen historischen Hintergrund haben. Denn nicht nur die Geburt eines Standards ist eine Herausforderung, auch die Bewahrung und weitsichtige Weiterentwicklung in einem Release Modell will bewältigt sein.

Eine etwas andere Genesis weist SWIFT auf: Aus der Gemeinschaft der Banken wurde zur Schaffung eines Messaging Standards im Zahlungsverkehr und für die Wertpapierprozesse 1973 das mondäne Genossenschaftsmodell der SWIFT mit Sitz in La Hulpe, Belgien gegründet. Sie legt Nachrichtenaufbau und Feldinhalte fest und bietet ein Closed User Group Netzwerk an, über das die Daten exklusiv zwischen den angeschlossenen Beteiligten transportiert werden. 

Konsens und Qualität benötigen Zeit. Letztlich muss sich jede supranationale Standardisierung bzw. ihre Trägergemeinschaft einem besonderen Vorgehen zur einvernehmlichen Entscheidungsfindung verpflichten, will sie dauerhaft erfolgreich sein. Verschiedene zu diesem Zweck gegründete Körperschaften erfüllen den Vereinheitlichungsbedarf auf ganz ähnliche Art und Weise, um die verschiedenen Interessenlagen zusammenzuführen. 

Die Organisation

Das übergeordnete Standardisierungszentrum sämtlicher Industrien betreibt die ISO - International Organization for Standardization mit Sitz in Genf. Diese Nachkriegsorganisation vereinte ursprünglich die nationalen Normierungsinstitute der Alliierten und bildet heute weltweit das Dach für supranationale Normung. So ist die deutsche DIN Mitglied der ISO, ähnlich wie die nordamerikanische ANSI. 

Betrachten wir einmal die Substruktur der ISO, die sich mit dem Finanzwesen auseinandersetzt. Es ist die TC 68, also das Technical Committee Number 68.
Innerhalb von TC 68
• kümmert sich das Standard Comittee (SC) Nummer 8 um die Referenzdaten und
• SC 9 um alle Belange rund um das Messaging, also vom Transport, dem Feldformat über Syntax bis zur Semantik und Ontologie und der (Abfolge-) Logik eines gültigen Message-Flow und
• SC 2 berät über alle Belange von digitaler Sicherheit.

Somit bildet also das SC 8 mit seinen Referenzdaten die Grundlage, auf der wiederum SC 9 aufbaut. Rückgrat der SC 9 ist das semantische Metamodell der ISO 20022.
Das Messaging der FIX Protokolle, ISDA FpML, OMGEO und SWIFT nehmen dieses Modell zur Grundlage. Eine sehr anschauliche Darstellung eines Ausschnitts von ISO 20022 kann man hier betrachten: http://www.deeppay.net/sepa/

Hier schließt sich also der Kreis und die vorgenannten Beispiele FIX und SWIFT fügen sich heute in den Meta Standard ISO 20022 im SC 9 ein. Die aktuelle Projekte der SC 9 Task Group hier in der Übersicht:
• Exchange Trading System Indicators
• Lightweight Session Layer Protocol
• FIX Session Layer – Fast Track Standard
• FIX Simple Binary Encoding protocol (possibly via ISO TC 68/JTC 1)
• Data Point Modelling (DPM) Framework (in Verbindung mit XBRL)

In diesem Artikel liegt im weiteren Verlauf der Fokus auf SC 8 und seiner Weiterentwicklung, also den zugrundeliegenden Reference Data. In der nachstehenden Übersicht sind die heute relevanten Standards aufgezählt, die sich teilweise schon vor Jahrzehnten herausgebildet haben:

Quelle: https://www.iso.org/committee/6534796/x/catalogue/

Davon sind IBAN und BIC jedem bekannt, der schon einmal eine Überweisung vorgenommen hat. ISIN, LEI und MIC sind alte Vertraute für jene, die in den vergangenen Monaten und Jahren mit EMIR oder MiFID zu tun hatten. Auch der CFI Code findet dort Verwendung. Die dreistelligen Währungskürzel wie EUR, USD oder CHF sind omnipräsent.

Betrachten wir die organisatorischen Zusammenhänge im Hause ISO noch etwas genauer. 

Welche dieser beteiligten Einheiten haben einen Bezug zu den Referenzdaten? SWIFT hat die Hoheit zur Entwicklung des ISO 20022 Metaformats, der Verwaltung der Market Identifier Codes (MIC) und der der Bank Identifier BIC.


ANNA und ihre Kinder

Unter dem Dach der ANNA, der „Association of National Numbering Agencies“, sind diejenigen nationalen und internationalen Körperschaften organisiert, die die Wertpapierkennungen in Form von ISINs verwalten. Diese ISO 6166 Norm existiert seit 30 Jahren und hat sich international bewährt und etabliert. Die nationalen „alten“ Symbolkategorien gehen als Bestandteil in die ISIN ein. So ist bei Volkswagen die deutsche WKN 766400 in der ISIN DE0007664005 enthalten, bei der IBM-Aktie klappt das dann schon nicht mehr mit WKN 851399 und ISIN: US4592001014. Aber natürlich ist die alte amerikanische CUSIP 459200101 in dieser ISIN aufgegangen. Somit kann man an manchen Stellen den historischen Kern und lokale Traditionen erkennen.

Das Beharrungsvermögen dieser nationalen Digitalschlüssel wie WKN, SEDOL und CUSIP ist immer noch beträchtlich. Das ist zum guten Teil dem beeindruckenden Alter mancher Applikationsarchitektur in der Bankenwelt zuzuschreiben. Spätestens aber dann, wenn solche Systeme in ein international vernetztes Geschäftsumfeld integriert werden sollen, kann Gewohnheit und mangelnde Voraussicht zum Problem werden.

Bei jeder „Inbetriebnahme“ eines Wertpapiers muss nicht nur der Instrumentschlüssel beantragt und vergeben werden. Wird ein neues Instrument angemeldet, muss heute auch seine standardisierte Assetklasse gemäß CFI Code (ISO 10962) mitsamt FISN (Kurzbezeichnung des Wertpapiers) festgelegt werden. Die zweiteilige und maximal 35 Stellen lange FISN nach ISO 18773 und 18774 deckt den bis zu 15-stelligen Emittenten-Kurzname Plus Trennzeichen und die 19-stellige Instrumenten Kurzbezeichnung (FISN) ab.

In unserem Bild oben ist das Kästchen mit dem Kürzel LEI für „Legal Entity Identifier” noch ohne zuweisenden Pfeil. Hier ergänzen wir der Vollständigkeit halber, dass in Deutschland die organisatorisch zu ANNA gehörende Vergabestelle für LEIs bei Wertpapiermitteilungen (https://www.wm-leiportal.org) verantwortlich ist.

Diese LEI dient der Identifizierung von Körperschaften - und zwar nicht nur in der Finanzwirtschaft. Die an einem Wertpapiergeschäft und seinem Zustandekommen beteiligten Seiten sind in den Transaktionsmeldungen so einzutragen, dass sie anhand ihrer LEI zu identifizieren sind.

Das Derivatives Service Bureau DSB

Unter den Fittichen der ANNA ist seit 2016 eine neue Körperschaft angesiedelt, die sich um Services im Rahmen der Standardisierung von Derivaten kümmert: Das Derivatives Service Bureau – kurz DSB.

In obigen Bild des TC 68 Sub Committee Nr. 8 und 9 ist das Kästchen „FUTURE“ enthalten. Um die beiden Kürzel „UPI“ („Unique Product Identifier”) und „UTI“ („Unique Transaction Identifier“) kümmert sich das DSB. Diese beiden Abkürzungen stehen im Zusammenhang mit der EMIR Verordnung. 

Für jede Transaktion im Lebenszyklus eines (OTC) Derivategeschäfts ist im Report eine eindeutige UTI einzutragen. Sie dient der Identifizierung eines Geschäftsvorfalls und besteht aus maximal 52 Zeichen, die mit dem Präfix „E02“ beginnen, mit der LEI der meldenden Körperschaft fortgesetzt wird und dahinter einen eindeutigen Code enthält.

Quelle: Bank for International Settlements,< https://www.bis.org/cpmi/publ/d169.pdf>


Nun zum UPI. In den Vorgaben zum EMIR Transaction Report ist für jedes OTC Geschäft eine einzelne ISIN als ID zur Referenz auf die Produktgrundlagen und Vertragsdetails vorgesehen. Eine einzelne ISIN ist jedoch klassischerweise einem einzelnen handelbaren fungiblen Wertpapier zugeordnet und steht nicht für einen (OTC) Einzelvertrag.

Als Stakeholder in Sachen UPI ist auch die IOSCO in die Diskussion eingebunden und befürwortet im September 2017 in Ihrem Technical Guidance zur „Harmonisation of the Unique Product Identifier“ (https://www.bis.org/cpmi/publ/d169.htm) eine Lösung, die die derzeit bei ISIN gültigen Formalien wie Länge und Zeichensatz des Schlüssels fortschreibt. Zugleich soll die UPI Zeichenkette als „dummy code“ Verwendung finden. Das bedeutet, dass es sich um einen zwar eindeutigen, aber inhaltlich nicht interpretierbaren Schlüssel handelt. Mit dem „ZE“ Präfix und neun frei verfügbaren Stellen plus einer Prüfzahl am Ende ist das für das ISIN Format gelungen.

Um die Forderung nach einer auf Vertragsschluss zeitnah zu erzeugenden Transaktionsmeldung erfüllen zu können, stellte sich schnell als größte zu überwindende Schwierigkeit heraus, dass ein neuer ISIN Code von der Vergabestelle auch nach sofortigem Antrag erst sehr viel später als erforderlich zur Verfügung gestellt werden konnte. Das heißt für die Transaktionsmeldung konnte man nicht einfach so lange warten, bis der offizielle ISIN Generierungsprozess für die Verwendung als UPI abgeschlossen war.

Abhilfe wurde kurzerhand dadurch geschaffen, dass unter der Führung des ANNA-DSB eine near-time OTC-ISIN Vergabestelle ins Leben gerufen wurde, die kurz vor Inkrafttreten von MIFIR gerade noch in 2017 online gehen konnte. 

Wie können bei dem „Dummy Code“ der ISIN die Eigenschaften des Produktes angemeldet, ergänzt und abgefragt werden? Hierzu betreibt das DSB ein Repository und für die „Kunden“ eine GUI.

Auch eine neben der GUI zweite technische Schnittstelle soll genau diese Geschäftsvorfälle abbilden. Für die verschiedenen bei Anlage einzugebenden Eigenschaften gibt es unterschiedliche Quellen. Eine Quelle bilden zum Beispiel der ISO FISN für den „Short Name“ und jede einzelne der 6 Stellen im CFI Code.

Hier sehen wir die DSB GUI bei der Recherche nach der UPI/OTC-ISIN „EZ2F7TWVLCK9“ im Einsatz:

Die von der GUI zu unterscheidende technische Schnittstelle nutzt die hierfür vorgesehenen FIX Nachrichtentypen (https://www.anna-dsb.com/knowledge-centre/?wpdmc=fix-documentation), in denen der geschäftlich relevante Inhalt weder mittels klassischer FIX Tags noch in einem eingebetteten XML Stream übermittelt wird, sondern mit einem isolierten Block in Form eines Java Script JSON Stream. Dieses JSON wird zurzeit gerne für die Kommunikation zwischen Web Browser und Web Service angewendet.

Die Vorgabe für die technische Schnittstelle nutzt den weit verbreiteten und frei verfügbaren zuverlässigen Kommunikationsrahmen des FIX Protokolls, die FIX Nachrichten werden lediglich als Container für die im Web-GUI eingesetzten Nettodaten benutzt. 

Der Präsenz technischer Kompetenz wird innerhalb DSB ein hoher Stellenwert eingeräumt. Tatsächlich ist im Organigramm des DSB das „Technology Advisory Committee“ prominent hervorgehoben und wir haben hier diejenigen vor uns, die die Verwendung von JSON in einem als „XML Body“ deklarierten Nachrichtenteil einer B2B FIX Nachricht festlegten und verantworten – noch bevor die ersten Puristen aus ihren Häuschen kommen konnten. 

Anhand eines Aktivitätsdiagramms ist die Funktionalität der Schnittstelle nachstehend dokumentiert.


Warum haben wir uns dieses Beispiel der UPI eigentlich so detailliert herausgegriffen und beschrieben? Dazu mehr im folgenden Abschnitt.

ISO 23644 - Der Elefant hinterm Gänseblümchen

Für die oben angesprochenen Bedeutungen und Domänen aus der aktuellen ISO-Schatzkiste rund um das Thema Wertpapier gibt es noch einen anderen im Einsatz befindlichen proprietären Ansatz, der bei Schaffung der regulatorischen Vorgaben durch die EU unberücksichtigt blieb. 

Als ein bedeutender Teilnehmer und Service Provider am Finanzmarkt tritt uns Bloomberg entgegen. Hier kennt man Kürzel für Handelsplätze, Kennungen für Finanzinstrumente und vieles andere mehr, das im Handel eine ID benötigt. Seit 2009 hat man dazu ein eigenes Universum geschaffen. Bei der Diskussion um die Verwendung der ISIN als OTC Produkt ID haben Kritiker in der jüngeren Vergangenheit dann Bloombergs FIGI Alternative und Konkurrenz ins Spiel gebracht: https://openfigi.com/about/news/2017/10/2/the-identifier-challenge-attributes-of-mi-fid-ii-that-cannot-be-ignored

Die openFIGI/openSymbology Definition umfasst folgende Einheiten (vgl. ~ISO Def):


An der Liste ist abzulesen, dass es eine Überschneidung mit den ISO Definitionen gibt und openSymbology besitzt noch einige zusätzliche Felder, erreicht aber bei Weitem nicht die Zahl der WM Felder. 

Was steckt hinter der openFIGI/openSymbology Initiative? Bloomberg regte vor wenigen Jahren an, dass unter dem Namen „openSymbology“ eine Initiative zur Weiterentwicklung der seit 2009 eigens geschaffenen Normen nunmehr unter unabhängiger Führung entstehe. Unabhängigkeit von der eigenen Marktmacht und Interessenlage wahrte man offiziell dadurch, dass man die Verantwortung in die Hände der Object Management Group (OMG) legte und sie dafür auch finanziell ausstattete. Die OMG ist also der Strauß Gänseblümchen aus der Überschrift, hinter dem sich Bloomberg nicht ganz unsichtbar machen kann.

Die OMG ist eine Organisation, in der etablierte und gebräuchliche Standards wie UML entwickelt und verwaltet werden. 

Sie bündelt unter anderem Standardisierungsinitiativen in der Finanzindustrie, wo wir in der Webpräsenz auch den Verweis auf openFIGI finden: https://www.omg.org/hot-topics/finance.htm. Auf dieser Seite wird die Vielzahl an existierenden unterschiedlichen Symbolkategorien bei Wertpapieren beklagt. Mit keinem Wort findet der Industriestandard der ISO statt. Im abschließenden Satz wird openFIGI als Mittel der Wahl angepriesen, die unterschiedlichen Ansätze zusammenzuführen. 

Die Zersplitterung in Sachen Standards ist schädlich. openFIGI ist aber ein Teil des Problems und nicht der Lösung. Das Selbstverständnis der openSymbology Initiative von Bloomberg/OMG lässt sich gut an der nachstehenden Grafik ablesen. Die ISO Standards verschwinden im Bauch des Konstrukts und sind der führenden Quelle „FIGI“ untergeordnet.

Quelle:< https://assets.bwbx.io/openfigi/public/assets/content/Open_Symbology_Fields-2a61f8aa4d.pdf>

Aber damit ist die Geschichte noch nicht am Ende. ISO TC 68 SC 8 reagierte kürzlich auf das Phänomen FIGI mit folgender Maßnahme:

Unter dem ISO Schlüssel 23644 ist die FIGI Spezifikation unter Einsatz des sogenannten Fast Track Procedure „Schnellverfahren“ urplötzlich als ISO „Standard under Development“ geführt. Hier ist die URL für das Dokument: https://indocal.isolutions.iso.org/obp/ui#iso:std:iso:23644:dis:ed-1:v1:en

Quelle: https://www.iso.org/standard/76520.html

Mit ein wenig Verwunderung beobachten wir die Handelnden im Stellwerk der ISO und registrieren, dass sie nach der „Fast Track Procedure“ zwei sehr ähnliche Schlüsseluniversen auf dem gleichen Gleis aufeinander zufahren lassen.

Über Beweggründe und Strategien auf beiden Seiten oder einer dritten kann man nur spekulieren: Seit Beginn der OTC-ISIN Vergabe wurden monatlich immerhin etwa 1,5 Millionen gebührenpflichtige Anträge bei DSB gestellt.

Tatsächlich haben wir es sowohl bei dem logischen Schema der ISO als auch dem Bloomberg openFIGI Konstrukt mit gewachsenen unterschiedlichen Traditionen und unabhängig voneinander geplanten Entwicklungen zu tun, die sich lange genug gegenseitig ignorierten. Der institutionelle Händler, der sich einer Bloomberg Umgebung hingibt, wird Bloombergs proprietäres Schema wie selbstverständlich als Handwerkszeug und einzigen ordnenden Zugang zur Welt betrachten. Im Umfeld der internationalen Börsen und im regulatorischen Rahmen vertraut man hingegen weitestgehend der Familie der internationalen Industriestandards aus dem Hause ISO.

Beide Welten zu verschmelzen dürfte selbst nach Überwindung der Auseinandersetzung um die gegenseitige Vereinnahmung, Hierarchisierung und um Deutungshoheit auch rein technisch auf Probleme stoßen.

So bleibt als Fazit, dass die Entropie als Gegenentwurf zur Idee des Standards und zum Nachteil aller bestehen bleibt oder gar zunimmt. Die Anwender sind genervt und verunsichert: https://www.clarusft.com/identifiers-identifiers-everywhere/

Ausblick

Die Gruppe der ISO Felder und die der openSymbology beschreiben einige wenige wichtige Eigenschaften zur international vereinheitlichten Identifizierung und Klassifizierung von Wertpapieren und stellen eigene Methoden zu ihrer Identifizierung bereit. Beide sind weit davon entfernt, sämtliche Eigenschaften eines Wertpapieres zum Aufbau eines sehr viel vollständigeren static data Universums zur Verfügung stellen zu können. Hierzu fehlen der Wille und die Autorität zur Formulierung und Finanzierung eines übergreifenden strategischen Konzeptes und Ziels seitens der ISO und ihrer Mitglieder selbst. Daher bleibt der Bezug der von den Börsen veröffentlichten Grunddaten (z. B. Tick Size, Datum Hauptversammlung etc.) sowie nationale Lieferungen wie die der WM-Daten von essentieller Bedeutung.

Anwender oder Systeme, die gezwungen sind zwischen den verschiedenen Schlüsselschemata hin- und herspringen zu müssen, sind darauf angewiesen, dass das Mapping zwischen den Domänen logisch möglich, historisierend korrekt, zuverlässig und unabhängig funktioniert. Der Vernunft folgend sollte das nicht in jeder Anwendung neu erfunden werden. Unter dem Aspekt der Wartung und Zusammenführung vieler einzelner Quellen sollte ein Mapping Service für einen Teil der static data auf einer zentralen „Golden Source“ Plattform erfolgen.

Hier kann dann beispielsweise zwischen CUSIP, WKN, Xetra T7 Schlüssel, ISIN und FIGI mit Gültigkeit 30.7.2017 vor und zurück konvertiert werden. Mit geeigneten Maßnahmen sind die Hochverfügbarkeit und eine minimale Responsezeit sicherzustellen.

Nachtrag/Update zum Artikel am 4. Juli 2019:
Die Initiative zu openFIGI bei der ISO Gruppe ist gescheitert. Das Projekt wurde zum 18. Januar 2019 gelöscht:
ISO/DIS 23644 Financial instrument global identifier (FIGI)
STATUS: Now deleted (18.01.2019)
https://www.iso.org/standard/76520.html

Historie gemäß ISO Schedule

Ansprechpartner:
Dr. Ulrich Hofmann
Bankfachberater