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Neues beckCampus-Seminar in der Academy of Finance

„Es soll jeder was mitnehmen können.“ Mit Andreas Philipowski auf Reise durch das IT-Universum.

18.06.2021

Unser Seminar „Bankspezifisches IT-Wissen für Business Analysten und andere Nicht-Informatiker“ in Kooperation mit der Academy of Finance: Was erwartet die Teilnehmenden auf der Reise durch die Grundlagen der IT? Das erzählt Referent Andreas Philipowski hier im Interview.

Andreas, warum sollte ich als Mitarbeitende einer Bank oder eines Finanzinstitutes an deinem Seminar teilnehmen? Was lerne ich?

Das Seminar beleuchtet die Kommunikation zwischen dem Fachbereich und der IT. Ich selbst arbeite seit über 20 Jahren an diesem Schnittpunkt und habe in meiner Arbeit oft festgestellt, dass die beiden Abteilungen nicht die gleiche Sprache sprechen. Und wer nicht auf dem gleichen Nenner ist, redet aneinander vorbei.

Und wenn man aneinander vorbeiredet, steht am Ende nicht das gewünschte Ergebnis. Wenn aber die gewünschten Ergebnisse nicht erreicht werden, dann hat man ganz am Ende Ärger zwischen den beiden Abteilungen. Weil die einen von den anderen behaupten: „Die haben doch keine Ahnung.“

Dabei verstehen sie sich nur nicht richtig …

Genau - dabei verstehen sie sich nur nicht richtig. Da wir über IT-Themen sprechen, gehen wir davon aus, dass  die Menschen in der IT-Abteilung ein Grundverständnis von dem Thema haben.

Interessant ist das Seminar deshalb besonders für den Fachbereich oder z. B. für PMOs, also Leute, die der Geschäftsleitung zuarbeiten. Diese stehen nicht auf der IT-Seite, sie sind auch nicht im Fachlichen, aber sie haben auch nicht dieses Grundlagenwissen der IT. Das heißt, sie sollen teilweise PowerPoint-Folien erstellen oder sollen in die Projektleitung mit hinein, haben aber gar kein Grundverständnis von dem, was sie da tun. So gehen sie ziemlich schnell entweder in die falsche Richtung oder übersehen Sachen, die später zu Problemen führen werden.

Das kannst du nur vermeiden, wenn du die Grundlagen an sich einmal verstanden hast. Und wenn du die Grundlagen verstanden hat, dann kannst du in dem Bereich, in dem du selbst arbeitest, natürlich mehr in die Tiefe gehen. Aber das geht nicht ohne Grundlagen. Das wäre wie die dritte Ableitung in der Mathematik angehen zu wollen, ohne das 1 x 1 verstanden zu haben und ohne zu wissen, was ein Dezimalsystem ist - das wird schwierig …

Geht das schon bei Begrifflichkeiten los, die da unterschiedlich verstanden werden, oder …?

Das mit Sicherheit auch … Es gibt einige Dinge, die einfach nicht von Allen so wahrgenommen werden. Ein klassisches Beispiel: Datenbank und Netzwerk. Stell dir vor, du arbeitest im Fachbereich in einer Anwendung und möchtest den Datensatz von Max Müller aufrufen. Du gibst die Suche ein, wählst aus, klickst auf Start und drückst auf „Anfordern“, aber es kommt nichts. Du rufst die IT an, wo dir die Hotline sagt, dass die IT gerade einen Netzwerkausfall behebt. Du möchtest natürlich, dass man sich um dein Problem kümmert – und verstehst nicht, dass dein Problem am Netzwerkproblem hängt. Du bekommst also keine Daten, weil diese nicht durchs Netzwerk kommen.

Oftmals wird noch ein Kollege angesprochen und um das Raussuchen der Daten gebeten. Auch der Kollege bekommt keine Daten von der Datenbank und sieht die Eieruhr.

Wenn immer wieder Anfragen losgeschickt werden und diese nach Beheben des Netzwerkausfalls wieder durchkommen, dann kollabiert irgendwann die Datenbank auch noch -  aufgrund der ganzen Anfragen.

Wenn das Netzwerk dann wieder funktioniert, hat man also das nächste Problem.

Genau. Wenn du dann auf die IT schimpfst, trägt das im nächsten Meeting sicher nicht zur besseren Stimmung bei. Verstehst du aber, wie Netzwerk und Datenbank zusammenspielen, kannst du die Situation richtig einschätzen und die Sache ist gegessen. 

Der Fachbereich versteht und dadurch ist natürlich der Ärger geringer … Wenn du besser verstehst, was bei dem anderen passiert.

Genau. Der eine nervt den anderen nicht, beide Seiten regen sich nicht gegenseitig übereinander auf.

Das ist jetzt nur ein Teil. Es sind viele kleine Bausteine, die genau in das Gleiche führen.

Du kannst das Beispiel noch weiterspinnen: Der Mitarbeiter aus dem Fachbereich möchte seine Zeit sinnvoll nutzen und denkt sich: „Gut, wenn ich die Daten von Max Müller nicht aufrufen kann, dann drucke ich jetzt die Dokumente für die Präsentation aus.“ Er hat zwar grade vorher erfahren, dass es ein riesiges Netzwerk-Problem gibt - drückt aber jetzt erstmal auf Drucken. Ohne zu verstehen, dass auch das wieder über das Netzwerk geht. Da steht der Druck jetzt in der Pipeline …

Unter Umständen geht er jetzt wieder zur IT-Abteilung und sagt, der Drucker geht übrigens auch nicht …

Genau. „Alles Mist hier.“ (lacht)

Durch besseres Verständnis wächst also Verständnis füreinander. Und dann funktioniert es auch besser mit der Zusammenarbeit.

Es sind eben ein paar Sachen dabei, die einfach zum Grundverständnis dazu gehören. Dieses Grundverständnis zu entwickeln, das ist das A und O. Wenn du das nicht hast, verstehst du letztendlich die ganze IT nicht.

Wie lässt sich so ein Grundverständnis entwickeln?

Ich möchte, dass die Teilnehmer*innen mit einigen Aha-Effekten aus dem Seminar herausgehen und wissen, worauf sie zukünftig achten können. Oder sagen: „Das habe ich schon immer gehört, jetzt habe ich endlich mal verstanden, wie das funktioniert und jetzt arbeite ich mich in das Thema ein.“ Denn ich reiße die Themen ja nur an.

Aber es reicht ja schon, wenn man grob die Zusammenhänge versteht und hört.

Genau das ist der Punkt. Wir beschäftigen uns z. B. mit dem Netzwerk – da schauen wir besonders auf das Internet. Wobei viele aus dem Fachbereich sagen: „Was habe ich mit Netzwerken zu tun?“

Das Internet ist doch relevant und spannend für jeden.

Genau, deswegen dachte ich mir, das ist so eine Art Eisbrecher. Mal zu gucken, was ist das große Internet: Wie ist es aufgeteilt, was gehört dazu? Wir schauen uns das Visible Net ebenso an wie das Deep Web oder das ominöse Darknet. Was ist dieses ominöse Darknet überhaupt? Wie kommt man da rein?

Oh, spannend. Ich war noch nie im Darknet. Wenn der Fachbereich am Anfang dachte, was habe ich mit Netzwerk zu tun… Nachdem du dann da durchgeführt hast: Erkennen die Teilnehmer*innen dann, dass sie doch Einiges mit Netzwerk zu tun haben?

Ja, so ist es. Selbst wenn die Leute nur ihr Handy in die Hand nehmen, ist das ja ein Netzwerk.

Woher weiß dein Handy eigentlich, wo es anrufen muss, so dass es beim anderen klingelt? Wie kommen denn überhaupt die Daten von deinem Handy – es hat ja kein Kabel - von hier nach woanders? Woher weiß dein Handy zum Beispiel, dass der Angerufene grade auf Neuseeland auf der Veranda sitzt?

Wie ist das Ganze verbunden? Sagen wir mal, du guckst aus dem Weltall darauf: Geht das über irgendwelche Masten, über Satelliten? Geht es durch das Meer hindurch, durch die Unterseekabel, die uns überall verkabeln? Wann nimmt man was und warum?

Ich gehe auch ein auf Sachen wie 5G. Was war überhaupt 4G? Gab es auch 3, 2, 1G? Was ist was? Wann kommt 6G?

Man macht sich da ja oft gar keine Gedanken. Man nimmt die Technik und Dienste wahr und vielleicht recherchiert man noch ein bisschen…dann nimmt man aber die Dinge an, ohne sie weiter zu hinterfragen.

Genau. Auch Roaming beleuchten wir. Roaming gab es ja früher beim Handy auch, die meisten kannten den Begriff Roaming. Aber ich habe immer wieder festgestellt, viele wussten gar nichts damit anzufangen, was das eigentlich ist. Man braucht es aber: Jedes Unternehmen macht Roaming. Das geht gar nicht anders.

Viele haben ja zu Hause schon ein Netzwerk: Einen Router und für größere Reichweite ein paar Repeater, die über Kabel oder WLAN-Funksignal verbunden sind – und das WLAN-Funksignal ist dann nichts anderes als Roaming.

Hätte ich gar nicht gedacht, dass ich zuhause „roame“ – wenn man das so sagen kann.

Genau. Da gibt es eben viele Bereiche. Da gibt es z. B. noch Mesh. Durch Meshing kann jedes Gerät mit jedem anderen kommunizieren. Das ist natürlich die beste Netzwerkabdeckung, die man sich denken kann! Der nächste Toaster oder die Kaffeemaschine, die du kaufst: Wenn diese mesh-fähig sind, ist das super. Dann brauchst du keine Repeater mehr, dann hängt sich dein Handy an die Kaffeemaschine.

Oh, ok. Ich sehe schon – man hat nach deinem Seminar ein viel besseres Grundverständnis von den Dingen.

Darum geht es im Prinzip. Wohin du jetzt diese Informationen übernimmst, wo du sie am Ende brauchst, das sei dir überlassen. Ein Mesh-Netz z. B. ist nicht nur für zu Hause. Das kann man auch im Großen sehen und das wird demnächst auch im Großen kommen. Wenn mal die Autos untereinander kommunizieren, wird das auch mesh werden - das weiß man heute schon. Nur ist die Technologie noch nicht so weit.

Aber wie gesagt: Da kommt eins zum andern. Es geht nur darum, dass du diese Bausteine bekommst, diese einzelnen, und die für dich selbst in deine Welt überträgst.

Das ist ja auch spannend, dass man es sowohl ins Berufliche als auch ins Private transportieren kann. Das macht es greifbar und anwendbar und man kann die eigene Welt ein bisschen durch die Augen der IT-Welt sehen.

So sieht es aus. Und genauso ist es auch mit dem Beispiel Darknet. Jeder würde erstmal hinterfragen, wofür sie oder er beruflich das Darknet braucht. Klar, mit ein bisschen Fantasie geht auch das. (lacht). Das Darknet ist per se nichts Schlimmes, davon sei schonmal abgesehen. Es geht einfach nur darum, dass du nicht jedem deine Daten preisgeben willst.

Wenn du das Darknet an sich aber verstehst – z. B. wie die Anonymisierung funktioniert -  dann wird dir auch das „normale“ Netz klar. Du brauchst eben einige Komponenten, die es auch da gibt. Das verstehst du dann besser. Darum geht es. Das mache ich dann auch mal an einem Live-Beispiel deutlich: Ich zeige, was es im Darknet so gibt, was man da so machen kann…Die Datenbank-Seite schauen wir uns natürlich genauso praxisnah an.

Ich bin immer gespannt, wie die Teilnehmer*innen die verschiedenen Bausteine und Informationen aufnehmen. Es kommt ja auch immer ein bisschen auf das Vorwissen des Publikums an. Deshalb finde ich es wichtig, zu wissen, ob die Teilnehmer*innen aus der Fachabteilung oder der IT-Abteilung kommen.

Dann ist es also gut für dich, wenn du ein wenig über deine Teilnehmer*innen weißt? So dass du den Inhalt daraufhin einstellen kannst? Aber wahrscheinlich machst du das auch durch eine kleine Vorstellungsrunde?

Genau. Wo kommt ihr her, was macht ihr… Ich find es sehr wichtig zu wissen, was die Teilnehmer*innen so machen. Ich hatte auch mal einen Softwareentwickler als Teilnehmer. Den habe ich gefragt: „Sag mal, du bist Softwareentwickler … Die meisten Themen, die schüttelst du doch ganz locker aus der Hüfte.“ „Ja“, meinte der, „das stimmt schon. Aber bei Netzwerk bin ich völlig blank. Und Verschlüsselungstechnologie habe ich bis heute nicht verstanden.“  Also für Jemanden aus der IT, das wollte ich damit nur sagen, gibt es dann wieder andere Dinge in dem Seminar. Jeder soll etwas mitnehmen können. Darum geht es. 

Andreas, ich danke dir sehr für dieses Gespräch.


Seminar an der Academy of Finance: 

Bankspezifisches IT-Wissen für Business Analysten und andere Nicht-Informatiker

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16. November 2021